Moin!
Es gibt Dinge im Leben, die glaubt man kaum. Aber dennoch passieren sie und von so einer will ich Euch berichten und in diesem Zusammenhang ein paar "Spitzenwerte" beim Laden erwähnen.
Ich bin letzte Woche mit diesem Fahrzeug-Setup zu einem längeren Messe-Wanderzirkus Schwarzwald-Hannover-Köln-Hanover-Schwarzwald aufgebrochen.
Ionity-Pass, als nächsten Ladepunkt Rasthof Reinhardshain ausgekuckt, alles gut.
Aufgrund der Begleitumstände (schwerer Anhänger, Dachboxen, kalte Jahrezeit) war mir mit zunehmender Annnäherung an mein Ladeziel dann jedoch klar, dass es echt "knapp" werden würde.
Egal, wir lieben ja ein wenig "thrill" und mit meiner nicht ganz unerheblichen Erfahrung dachte ich mir: das klappt schon, wird zwar auf Kante genäht, funzt aber.
Dann wurde es aber so richtig "heiß", ging zu Reinhardshain Ost die A5 auch noch zunehmend den Buckel hoch und die Null war dann auch schnell erreicht. Ich immer noch zuversichtlich - ich weiß ja, dass Null nicht sofort und ohne Pufferzone wirklich Null bedeutet und es waren ja tatsächlich auch nur noch rund 1,5 km.
Zusätzlich motiviert war ich durch einen vor Kurzem gelesenen Kommentar von IDSpaß , in dem er irgenwas von 20km "phantasierte".
RE: Erfahrungswerte
Es handelt sich hier keinesfalls um eine Strapazierung des Systems, sondern um Systempflege. Es wird empfohlen, dass der Akku ab und zu mal 100 % und 0 % sieht, damit das BMS die Realkapazität lernt. Richtig ist es, das Fahrzeug in diesen extremen Ladezuständen nicht lange stehen zu lassen. Aber das ist ja hier auch gar nicht der Fall.
Der Buzz fährt übrigens noch lockere 20 km, wenn der Akku 0% anzeigt. Daher kann es mit dem Buzz eine sinnvolle Strategie sein, unterwegs von 5-95 % SoC zu…
IDSpaß : Du weißt ja ansonsten ganz gut Bescheid und ich habe mich tatsächlich ein wenig von Deiner "Prognose" inspirieren lassen...mir war klar, dass es niemals 20km sein würden, aber die 1-2 km, die mir noch fehlten hielt ich für durchaus noch schaffbar.
Ihr ahnt es schon...
Nach Null ging es aber sowas von rapide runter, das schockte mich dann schon etwas. Zunächst eine deutliche Geschwindigkeitslimitierung (das war ja klar), verbunden mit der Anzeige, dass die Leistung mit Hänger nun massiv eingeschränkt wird.
Dann die Schildkröte und die weitere massive Reduzierung auf 7-9 km/h mit der Meldung, dass nur noch Rangierbetrieb möglich ist. Aber es ging nach wie vor - wenn auch im Kriechmodus - vorwärts und ich war guter Dinge, dass ich die mittlerweile restlichen 300m auch noch packe.
Dem war aber nicht so, quasi "ein paar Millimeter" vor Reinhardshain war Schluß, absolut Schluß, kompletter Stillstand.
So, das war also der Teil zum Thema "jenseits Null" und wie viel man nach Hereinblinzeln der Schildkröte noch Rangierreserve hat. Entgegen der optimistischen Anicht von IDSpaß habe ich empirisch bewiesen und erlitten, dass es nach Null und der sehr schnell danach einsetzenden Schildkröte rasend schnell auf den totalen Stillstand zugeht. Klar, ich hatte natürlcih "verschärfte" Bedinungen, aber auch mit einem Solofahrzeug würde ich behaupten, dass man wirklich keine großen Sprünge mehr macht, wenn Null und ziemlich schnell danach die Schildkröte erreicht ist.
Aber jetzt kommt der wirklich unglaubliche Teil. Fast schon spooky...
Ich also auf dem (superschmalen) Standstreifen ausrollen lassen und die Sicherungsmaßnahmen ergriffen. Da merkt man erstmal, welche Wucht Lkws mit "nur" 90 entwickeln, wenn die dermaßen dicht an einem vorbeidonnern; das lehrt einen Ehrfurcht! Auf jeden Fall enorm wichtig: immer nur RECHTS aussteigen, das kann u.U. das Leben retten wenn es so unglücklich laufen sollte, dass genau in so einem Moment ein Lkw einen unachtsamen leichten Schlenker nach rechts macht.
Ich hab dann eine Online-Pannenmeldung an den ADAC rausgeschickt und die meldeten sich auch sehr flott. Allerdings war das hiesige Abschleppunternehmen so unflexibel, dass die mich partout nicht diese fehlenden 300m einfach in den Rasthof einziehen wollten!!! Aufladen von Fahrzeug und Hänger in dieser Situation, ich fasse es nicht!! Ich habe dann gesagt, er soll das nochmal intern checken und sich wieder melden; hat er mir dann auch versprochen.
Und jetzt kommt's: mein Sohn war mit einem anderen Team die Tage zuvor bei einer anderen Messe in Berlin und am gleichen Tag auf der Rückfahrt. Normalerweise fahren die Jungs von Berlin eine andere Strecke, aber wegen irgendwelcher Umstände kamen die eben auch die A5 aus der anderen Richtung runter.
Es hört sich wie erfunden an, aber mein Junior hat von der Gegenspur aus gesehen, dass da ein schwarzer Zug warnblinkend auf dem Standstreifen steht und sich gesagt, das sieht doch aus wie der Vadder! Unfassbar, in genau dem Zeitfenster, als ich zum Stehen gekommen bin, fährt mein Sohn auf der Gegenfahrbahn mit seinem Sprinter an mir vorbei und sieht mich!
Dann klingelt das Telefon und ich konnte nur noch denken "da hat mir der liebe Gott meinen Nicolas geschickt".
Dann verabredet, dass er an der nächsten Tanke ein stabiles Abschleppseil kauft und rüber auf meine Spur kommt. Gesagt, getan und die ADAC-Meldung mit zu diesem Moment eh fraglichem Ausgang wieder storniert.
Mein 4,5-Tonnen-Zügle mit dem 3,5t-Abschleppseil an den Sprinter gehängt und die 300m zur Ladesäule gezogen. Ging super, wenn auch mit Herzklopfen angesichts der schmalen Spur und des ununterbrochen vorbei rollenden Monster-Verkehrs.
Der Ionity-Park war glücklicherweise einigermaßen großzügig angelegt; mit dem Sprinter den Zug in die Nähe der besten Säule schleppen, Hänger abkoppeln und schon kamen die ersten E-Mobilisten herbei gesprungen um zu helfen.
Klasse. Keine Klugscheißerei oder gar Schadenfreude sondern nur Hilfe und Mitgefühl. Mein 3t-Teil ging dann mit 4 Leuten überraschend gut und leicht zu schieben/rangieren, denn es war nach wie vor KEINERLEI Rangierkapazität übrig. Der Fahrer = ich muss halt "faul" im Auto sitzen bleiben, Stellung "N" und die Jungs konnten dann das Teil ziemlich easy rückwärts an die Säule schieben; die Lenkungsunterstützung funzt uns so war das in wenigen Sekunden erledigt.
Der Buzz war nun natürlich sowas von ausgehungert, dass ich als vermutlich Einziger hier im Forum mal erleben konnte, was bei einem wirklich maximalen Ladehub von unter Null bis 100 passiert - hier kurz die Schnelldoku zur Info.
An einer starken Ionity-Säule gings gleich mal hoch auf 206 kW - hab ich noch nie gesehen bei meinem/einem Buzz:
Zwischenstand bei SOC 83% mit immer noch 90 kW Ladeleistung:
Und dann sage und schreibe runde 96kW bis 100% aus der Säule gezogen. Die Differenz zur angegebenen Akkukapazität geht auf das Konto Ladeverluste. Dieser absolute Vollhub von 0 bis 100 dauerte rund eine Dreiviertelstunde - Erkenntnisgewinn aus dieser so sicher noch nie vorgekommenen und (bei mir) auch nicht wieder vorkommenden/geplanten Situation ![]()
So, das war meine kleine Abenteuer-Geschichte. Ich habe eine absolute Grenzerfahrung gemacht, die dem einen oder anderen "Abenteuerlustigen" helfen kann, die tatsächlichen Grenzen mit dem Buzz zu erkennnen.
Danke nochmal an Nicolas, dass er seinen Alten gesehen hat und zu Hilfe gekommen ist. Ich hatte viel Glück und werde diese Story sicherlich nie mehr vergessen.